Wir haben 7 Nationalparks in Litauen, Lettland und Estland besucht – Ferienträume mit Sehnsuchtsorten, Natur pur. Landschaften wie aus dem Bilderbuch, Seen, Moore, Wälder, Ostseeküste, ausgedehnt und stets einsam. Wir besuchten auch die drei Hauptstädte Vilnius, Riga und Tallinn sowie weitere kulturelle Sehenswürdigkeiten.
Zur Geschichte, die man kennen muss, um Land und Leute zu verstehen.
Wir haben eine Bevölkerung kennengelernt, die aus Erfahrung weiß, was es heißt, in Freiheit die eigene Identität zu leben. Der Nichtangriffspakt, den das Deutsche Reich und die Sowjetunion Ende August 1939 schlossen, bekannt als Hitler – Stalin Pakt, spielte eine große Rolle für den Beginn des Zweiten Weltkrieges: Er ebnete den Weg zum deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939. Schon unmittelbar nach dem Überfall auf Polen beginnen die Sowjets mit der Annexion des Baltikums. Im Juni 1940 stehen auch im allerletzten Winkel des Baltikums sowjetische Truppen. Diese nehmen den eigenstaatlichen Armeen alle Waffen ab, moskaufreundliche Regierungen werden in Tallinn, Riga und Vilnius eingesetzt.
Sowjetisches Baltikum
sofort begann der Kreml, die alten gesellschaftlichen Strukturen zu zerstören. Zahlreiche Personen aus Politik, Militär und Wirtschaft wurden ermordet, Privatbesitz enteignet und die Medien auf den Stalinkult ausgerichtet. Der Terror erreichte am 14. Juni 1941 seinen Höhepunkt, als in lange vorbereiteten Massendeportationen 10.000 „Volksfeinde“ aus Estland, gut 15.000 aus Lettland und 18.000 aus Litauen, darunter bis zu einem Drittel Kinder, in Arbeitsbataillone beziehungsweise nach Sibirien verbracht wurden.
Die Wehrmacht wurde angesichts des „schrecklichen“ Jahres 1940/41 bei ihrem Einmarsch ins Baltikum mancherorts als Befreier begrüßt. Bis Ende August 1941 war das Gebiet der drei Sowjetrepubliken besetzt. Zu den ersten Opfern gehörte die baltische Judenheit, die bis Ende 1941 großenteils ermordet wurde. Insgesamt geht man bis 1944 von 200.000 jüdischen Opfern in Litauen, 66.000 in Lettland und 950 in Estland aus. 95 Prozent der litauischen Juden wurden umgebracht. Im Laufe des Krieges fanden zudem Zehntausende mittel- und westeuropäische Juden auf baltischem Boden den Tod.
Die von Estland ausgehende „Singende Revolution“ brachte 1988 Hunderttausende zum Singen von Protest- und patriotischen Liedern zusammen, wodurch ganz generell die Furcht vor den Besetzern überwunden wurde.
„Baltischen Kette“ , am 23. August 1989 aus Anlass des 50. Jahrestages des Hitler-Stalin-Paktes verband eine Menschenkette mit 2 Millionen MenschenTallinn mit Riga und Vilnius, eine logistische Herausforderung. Als Litauen sich im März 1990 für unabhängig erklärte, reagierte der Kreml mit einer Wirtschaftsblockade. Es gab blutige Auseinandersetzungen auf den Straßen von Vilnius und Riga im Januar 1991, als sowjetische Einheiten die Telekommunikationszentren und Regierungsgebäude stürmten, Die Entscheidung musste aber in Moskau fallen. So bot erst der Putsch in Moskau im August 1991 den drei Republiken die Chance für den Absprung.
Im Hinblick auf die Etablierung der nationalen Kulturen war die Unabhängigkeitszeit von unschätzbarem Wert: Estnisch, Lettisch und Litauisch wurden zu Sprachen der Bildung und der nationalen Politik. Ein eigenständiges Kulturleben entwickelte sich und fand internationale Anerkennung.